Achtsamkeit - Zuück in die innere Sicherheit
Was bedeutet eigentlich "achtsam" zu sein und warum wird das Thema Achtsamkeit für viele Menschen immer wichtiger?
Achtsamkeit ist ein Prozess des bewussten Wahrnehmens, des Benennens dieser Wahrnehmung, um sich dann mit ihr auseinanderzusetzen.
Achtsamkeit ist das Werkzeug, um bewusster zu leben, gesünder zu werden, das Gedankenkarussell zu stoppen,
Stress zu reduzieren.
Achtsamkeit bedeutet ganz einfach, präsent im jetzigen Moment zu sein.
Diese Achtsamkeit für den gegenwärtigen Moment leben uns die Pferde als Lehrmeister hervorragend vor.
Wenn sie sich erschrecken, sind sie aufgeregt, laufen vielleicht weg. Ist die Gefahr vorbei, entspannen sie sofort wieder. Sie machen sich keine Gedanken darüber, so wie wir Menschen, was alles hätte passieren können. Sie schwirren nicht mit ihren Gedanken irgendwo in der Zukunft umher oder in der Vergangenheit. Gibt es Ärger in der Herde, dann wird dieser geklärt. Danach wird wieder gemeinsam weiter gegrast.
Pferde kennen nicht das Drama, dass ein Streit immer und immer wieder erzählt und aufgewärmt wird, sodass die damit verbundenen Gefühle wieder und wieder erlebt und sogar weitergetragen werden. Pferde leben präsent im Hier und Jetzt. Sie sind immer voll und ganz im gegenwärtigen Moment. Pferde haben somit nicht, wie die meisten Menschen in der heutigen Zeit, das Problem von lang anhaltendem Dauerstress.
Dauerstress ist ungesund. Durch nicht abgebaute Stresshormone kann sich die Stressreaktion in Körper und Psyche festsetzen. Das kann zu einer Senkung der Immunabwehr führen, zu erhöhter Herzfrequenz, zu verminderter Konzentration, Bluthochdruck, Muskelverspannungen, Verdauungsstörungen...
Achtsamkeit - die Fähigkeit, bewusst zu leben
Viele Achtsamkeitsübungen stammen ursprünglich aus dem Buddhismus.
Dabei geht es darum, Verhaltensmuster, die Leiden hervorrufen, bewusst wahrzunehmen, um sie dann zu verändern oder loslassen zu können.
Dabei bildet eine bestimmte innere Ausrichtung die Grundlage der Achtsamkeitsübungen, wie:
Akzeptanz, von dem, was der Fluss des Lebens an uns heranträgt.
Offen sein, für das, was der Moment tatsächlich bringt.
Bewertungen mit einem Schmunzeln erkennen und loslassen.
Ziele beiseitelassen, nichts beabsichtigen.
Vertrauen in die eigene Weisheit.
Geduldig sein, Veränderung braucht Zeit.
Loslassen von alten Situationen und überholten Vorstellungen.
Achtsamkeit zu üben, ist vergleichbar mit dem Trainieren eines Muskels. Nur ist bei der Übung der Achtsamkeit die Konzentration und die innere Einstellung bedeutend.
Neben Atemübungen, Meditationen, Übungen aus dem MBSR-Training (Mindfulness Based Stress Reduction) werden Methoden vermittelt, den Parasympathikus zu aktivieren ( zu entspannen ), die Atmung zu beruhigen und die Muskulatur zu entkrampfen, sodass der Organismus regenerieren kann, der Körper zur Ruhe kommt und die Seele ins Gleichgewicht.
Achtsamkeit - getragen von Natur und Begegnung
Es gibt nichts, was ich dir mehr ans Herzen legen könnte als die Achtsamkeit.
Achtsamkeit ist die Einladung, wieder in einen bewussten Kontakt mit dem gegenwärtigen Moment zu treten.
Mit dem eigenen Atem. Mit dem Körper. Mit dem, was gerade da ist.
In einer Welt, die oft von Tempo und Reizüberflutung geprägt ist, verliert unser Nervensystem leicht seine natürliche Balance.
Achtsamkeit schafft einen Raum, in dem sich das innere Erleben verlangsamen darf.
Der Atem wird ruhiger, die Wahrnehmung feiner, der Körper beginnt, Spannungen loszulassen. Das Nervensystem erhält die Möglichkeit, aus einem Zustand von Anspannung und innerer Alarmbereitschaft zurückzufinden in Regulation, Sicherheit und Ruhe.
In meiner Arbeit wird Achtsamkeit zu einer erfahrbaren, verkörperten Praxis. Durch sanfte Übungen mit und ohne Pferd entsteht ein Raum, in dem du lernen kannst, deine eigenen Signale wieder wahrzunehmen und zu verstehen.
Ohne Druck. Ohne Ziel, etwas erreichen zu müssen.
Es geht nicht darum, etwas richtig zu machen, sondern darum, dich selbst im gegenwärtigen Moment zu spüren.
Die Pferde begleiten diesen Prozess auf ihre ganz eigene, klare und ehrliche Weise. Sie reagieren nicht auf Worte oder Erwartungen, sondern auf deinen inneren Zustand.
Die Präsenz der Pferde ist dabei eine überaus bereichernde Erfahrung für Körper, Geist und Seele. Durch die sanften Bewegungen und beruhigenden Geräusche der Pferde gelingt es, in die Entspannung zu kommen, den Alltagsstress loszulassen und im Hier und Jetzt zu bleiben. Dadurch laden sie dich ein, mit deiner Aufmerksamkeit nach innen zu lauschen.
Deinen Atem zu spüren. Deinen Körper wahrzunehmen.
Diese unmittelbare Resonanz unterstützt dich darin, Achtsamkeit nicht nur zu verstehen, sondern in deinem eigenen Körper zu erleben.
Auch die Natur unterstützt diesen Prozess.
Das bewusste Gehen, das Spüren des Bodens unter deinen Füßen, das Wahrnehmen von Geräuschen, Luft und Weite –
all das hilft deinem Nervensystem, sich zu orientieren und zu stabilisieren.
Ein geschützter Raum für deine ganz persönliche Begegnung mit dir selbst, begleitet von Pferd und Natur, ermöglicht dir nachhaltige und intensive Erfahrungen und Erkenntnisse mit allen Sinnen.
Schritt für Schritt entsteht wieder mehr Präsenz. Mehr innere Ruhe. Mehr Verbindung zu dir selbst.
Achtsamkeit wird so zu einer Ressource, die dich auch in deinem Alltag begleiten kann. Sie stärkt deine Fähigkeit zur Selbstregulation und unterstützt dich darin, dich sicherer in dir selbst zu fühlen. Aus dieser inneren Sicherheit heraus können neue Klarheit, Vertrauen und Lebendigkeit entstehen.
Je besser es gelingt, Achtsamkeit in den Alltag zu integrieren, umso größer sind die positiven Auswirkungen auf die körperliche Gesundheit und das geistige Wohlbefinden.
Und dann bist du unbewusst achtsam.
Eine Achtsamkeit, die nicht geübt werden muss.
Ein Zustand, in dem du nicht ständig über dich nachdenken musst,
sondern in dir ruhst.
Jeder Moment von Achtsamkeit ist eine Bekräftigung für das Leben.
Jeder Moment von Achtsamkeit zählt.
Jack Kornfield